„Leute, lasst euch die Schmerzen nicht kleinreden.“ – Muräne-Stories No.3 – Interview mit Janne

Janne hat schon seit ihrer Kindheit Migräne und hat ihre Auslöser mittlerweile erkannt. Wie sie damit umgeht, was sie gegen die Migräne tut und was ihr Umfeld dazu sagt, alles hier in diesem Blogbeitrag.

Muräne-Blog: Hallo! Wer bist Du und was machst Du?

Janne Fleiter: Hallo, Ich bin Janne, 24 Jahre alt und komme aus dem schönen Schleswig-Holstein! Ich wohne in der Nähe von Hamburg und studiere dort auch Sonderpädagogik. Nebenbei arbeite ich an einer Schule für Menschen mit einer Behinderung und zeitweise für eine Kosmetikfirma. Ich liebe es zu tanzen und habe seit knapp 3 Jahren Yoga für mich entdeckt! Trotzdem nutze ich die meiste Zeit meiner Freizeit momentan mit einem Buch oder mit Freunden.

Muräne-Blog: Seit wann hast Du Migräne (und welche Form)? Wie äußert sich deine Migräne?

Janne Fleiter: Bereits in der Grundschule plagten mich sehr häufig üble Kopfschmerzen, weshalb ich mit 8 Jahren an einem EEG angeschlossen wurde. Von dem Zeitpunkt an wurde ich als „Migräne-erkrankt“ diagnostiziert und lebe seitdem bin dieser. Meist äußern sich die Anfälle mit starken Kopfschmerzen (war irgendwie klar, oder?), Lichtempfindlichkeit, Übelkeit und dem Wunsch, kühle Luft um mich zu haben. Selten übergebe ich mich, es ist jedoch schon vorgekommen. Oft spüre ich Stunden vorher schon, dass ein Anfall bevorsteht. Die genaue Form meiner Migräne kenne ich nicht.

Muräne-Blog: Wie geht es Dir heute und wie hat sich dein Umgang mit der Migräne verändert?

Janne Fleiter: Mir ging es nie wirklich schlecht durch die Gewissheit, dass ich Migräne habe. Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich diese schon immer habe und von vorneherein damit umgehen musste. Ich habe gelernt, dass meine Migräne durch zwei Faktoren ausgelöst wird. Der erste Faktor ist der Wechsel der Jahreszeiten. Der Temperaturwechsel macht mir regelmäßig zu schaffen und ich habe gelernt, wie ich mögliche Kopfschmerzen vorbeuge, nämlich, indem ich bewusst darauf achte mir nicht allzu viel vorzunehmen und es ruhig angehen lasse. Der zweite Faktor ist psychischer Stress. Besonders während der Schulzeit hatte ich viele Anfälle, weshalb es mir heute einfach viel besser geht. Momentan habe ich meistens nur noch bei starken Temperaturschwankungen Migräne.

Muräne-Blog: Wie hat dein Umfeld darauf reagiert und wie reagieren heute noch Menschen, denen Du davon erzählst?

Janne Fleiter: Mein Umfeld reagiert auch heute oft noch „augen-rollend“. Das liegt meiner Meinung daran, dass viele Menschen Migräne mit „normalen“ Kopfschmerzen vertauschen und oft werden Kopfschmerzen als „mimosenhaft“ bezeichnet. Ich habe auch schon zuhören bekommen, dass ich mich nicht so anstellen solle und dass sie ja schließlich auch schon Kopfschmerzen gehabt hätten, es wäre hilfreich eine Tablette zu nehmen und gut ist! Lehrer von mir haben mir geraten schwere Schmerztabletten zunehmen, da es ja unzumutbar wäre, dass ich ihren Unterricht verpassen würde. Ich kann also leider allgemein sagen, dass die Reaktion meistens durch Unverständnis geprägt ist, wobei die Menschen sich dies nicht bewusst sind. Eine Freundin von mir hat meine Schmerzen erst nachempfinden können, als sie selbst Migräneschübe bekommen hat und dann war sie trotzdem der Meinung, dass meine bestimmt nicht so schlimm wären wie ihre, da ich ja noch damit zur Schule gegangen bin…Ja, woran das wohl lag?

Muräne-Blog: Was machst Du freizeitlich und wie beeinflusst dich da deine Erkrankung (oder beeinflusst die dich da überhaupt?)?

Janne Fleiter: In meiner Freizeit lese ich viel und mache vermehrt Yoga. Als meine Kopfschmerzen in der Pubertät ganz schlimm waren, hat mir Ausdauersport in Form von Leichtathletik sehr geholfen. Inzwischen hilft mir Yoga sehr, da ich mich hier auf meinen Körper zentrieren kann und meine Körpermitte spüre. Ich habe auch schon Meditation und das „wegschieben“ des Schmerzes ausprobiert, was ich als sehr interessant empfand! Meine Krankheit beeinflusst mich in meiner Freizeit nicht besonders- wenn ich akute Schmerzen habe, sage ich meine Termine einfach ab. Tatsächlich überrascht mich momentan auch kein Anfall so sehr, dass ich dies auch muss. Meistens merke ich schon paar Stunden oder sogar Tage vorher, dass einer kommt.

Muräne-Blog: Was hilft dir im Umgang damit? Was hilft dir bei akuten Anfällen? Was hast du ausprobiert?

Janne Fleiter: Mir hilft besonders das Fenster weit aufzureißen, das Licht auszumachen, eine Schmerztablette zu nehmen und zu schlafen. Besonders der Schlaf hilft mir. Ich habe die letzten Jahre gemerkt, dass ich ein Mensch bin, der durch Schlaf heilt. Manchmal jedoch kann ich nicht einschlafen, wenn ich akute Schmerzen habe, weshalb meine Mutter- die selbst an Migräne erkrankt ist- mir ein Lavendelgel für die Schläfen geschenkt hat. Es brennt leicht in den Augen, aber es hilft sehr aktiv. Ich empfehle auch Tigerbalsam (eine kleine Dosis!) oder japanisches Heilöl. Ansonsten meditiere ich bei aufkommenden Schmerzen, dies hat den Effekt, dass der Körper runterfährt und langsam zu sich kommt. Die Schmerzen verschwinden bei mir nicht, jedoch bricht der Anfall nicht komplett aus- ich „funktioniere“ also noch.

Muräne-Blog: Etwas, das Du anderen Betroffenen sagen möchtest?

Janne Fleiter: Ich möchte allen Betroffenen sagen:Leute, lasst euch die Schmerzen nicht klein reden, sowie ich es Jahre lang zugelassen habe! Migräne ist eine anerkannte Krankheit und es gibt viele Menschen, die dies immer noch nicht begriffen haben.Gönnt eurem Körper die Ruhe, die er benötigt. Meine Migräne macht mir teilweise deutlich, dass gerade irgendwas nicht so läuft wie es sollte. Meistens bremst sie mich bewusst aus- also hört auf euren Körper, dann geht es euch besser. Es ist keine Schande nicht „zu funktionieren“, ihr dürft euch selbst der Nächste sein, wenn es um eure Gesundheit geht.

Dennoch: lasst euer Leben nicht nach der Migräne ausrichten. Habt keine Angst, dass ein Anfall oder Schub kommen könnte. Unternehmt viel und macht das was euch guttut!

Muräne-Blog: Vielen Dank für deine Zeit, Janne!

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