Was ich noch ganz dringend akzeptieren muss, ist die Tatsache, dass ich nicht immer „funktionieren“ muss. – Muräne Stories No.4 – Interview mit Kristina

In diesem Beiträg erzählt Kristina ihre Geschichte, von Migräne durch Stress und dem Druck „funktionieren“ zu müssen.

Muräne-Blog: Hallo! Stell Dich bitte kurz vor.

Kristina: Hallo, ich bin Kristina, 33 Jahre alt und bin gelernte Bürokauffrau. Ich arbeite bei einer Autobank.  Seit 2017 habe ich eine anspruchsvolle Position, die auch oft mit viel Stress und „Kopfarbeit“ verbunden ist. Mein Job ist ein typischer Schreibtisch-Job, oft sitze ich 8-10 Stunden fast ununterbrochen vor meinem PC und schaue in den Bildschirm.

Muräne-Blog: Seit wann hast Du Migräne?

Kristina: Richtig bewusst, dass ich Migräne habe, wurde es mir mit 19. Ich war vorher aber auch schon ein Kopfschmerzpatient. Meine ältere Schwester hat auch Migräne, meine (leider schon verstorbene) Mutter litt an Schmerzen des Trigeminus-Nervs. Ich bin da nicht sicher, ob das nicht auch eine Migräne war.

Muräne-Blog: Und wie äußert sich Deine Migräne?

Kristina: Ich habe Migräne ohne Aura, die leider oft mehrere Tage (meist 3) andauert, ab und an mit Erbrechen.

Muräne-Blog: Wie geht es dir heute und wie hat sich dein Umgang mit der Migräne verändert?

Kristina: Ich bin noch nicht am Ende meines „Leidenswegs“ angekommen. Was ich noch ganz dringend akzeptieren muss, ist die Tatsache, dass ich nicht immer „funktionieren“ muss. Sehr oft nehme ich bei einem Anfall Triptane und versuche, ganz normal am Leben teilzunehmen. Das klappt meist mehr schlecht als recht. Ich muss mir gestatten, auch mal schwach zu sein und die Migräne als das akzeptieren, was sie ist: Ein Zeichen, dass mein Körper eine Auszeit braucht.

Muräne-Blog: Wie hat dein Umfeld darauf reagiert und wie reagieren heute noch Menschen, denen du davon erzählst?

Kristina: Meine Schwester kann nachvollziehen, wie es sich anfühlt, hat allerdings andere Migräne. Bei ihr ist es so, dass nach einem Tag (und Erbrechen abends) der Spuk vorüber ist. Ihr helfen auch andere Dinge als mir. Migräne ist also von Mensch zu Mensch verschieden, auch wenn Blutsverwandt. Mein Partner leidet mit mir, kann aber den Schmerz nicht ganz nachvollziehen (er denkt, es sind eben Kopfschmerzen). Auf meiner Arbeit falle ich deswegen eigentlich nie aus, es weiß auch kaum jemand davon. Meine Freunde müssen leider oft damit leben, dass ich Verabredungen absagen muss. Ich erfahre dort aber Verständnis und Akzeptanz.

Muräne-Blog: Was machst du freizeitlich und wie beeinflusst dich da deine Erkrankung?

Kristina: Ich reise gern und bin gern unterwegs. Da bremst mich die Migräne dann doch oft aus. Gerade weil ich Flugangst habe, bin ich meist am Zielort erstmal außer Gefecht. Oft kommen die Attacken auch, wenn ich eigentlich zur Ruhe komme, also am Wochenende und im Urlaub. Es gibt also kein richtiges Muster. Trigger sind bei mir u.a. Stress, Rotwein (den lasse ich natürlich weg) und oft auch Verspannungen (die natürlich durch den Stress kommen).

Muräne-Blog: Was hilft dir im Umgang damit? Was hilft dir bei akuten Anfällen? Was hast du ausprobiert?

Wie schon gesagt, ich bin noch nicht da angekommen, wo sich viele schon befinden. Was mir gut hilft ist Naratriptan, es dauert zwar lange, bis es anschlägt, aber dann habe ich etwas Ruhe vor dem Schmerz. Was nicht hilft: Almotriptan, Ibuprofen, Aspirin und Novalgin. Ich nehme CBD-Öl, was zumindest gefühlt etwas hilft, die Anfälle zu vermeiden. Zumindest löst es meine Anspannung. Oft kann ich nachts schwer ein- oder durchschlafen, das ist deutlich besser geworden, seit ich CBD nehme. Außerdem habe ich auch schon Videos mit Heilfrequenzen getestet, das müsste ich vielleicht etwas vertiefen. Ich trinke außerdem Hirtentäscheltee zur Regulierung des Blutdrucks.

Hanfprotein, was meiner Schwester sehr gut hilft, nützt bei mir nichts. Sie ist damit schon 1 Jahr Anfallsfrei, befindet sich aber auch im hormonellen Wechsel zur Menopause.

Schlaf (sofern durch die Schmerzen möglich) und Ruhe machen es erträglicher. Wenn mir besonders übel ist, nehme ich noch MCP-Tropfen, meist lasse ich die aber weg, weil ich meinem Körper durch die Schmerzmittel eh schon viel zumute.

Ich möchte gern irgendwann einmal in eine Schmerzklinik, um das ganze einmal genau abzuklären. Das ist aber nicht so einfach, ich lasse aber nicht locker.

Am Meer sitzen und den Wellen zuschauen (mit Kopfbedeckung- zu viel Sonne ist für mich auch ein Trigger) beruhigt mich auch ungemein.

Und ganz wichtig: IMMER AUSREICHEND TRINKEN!

Muräne-Blog: Gibt es etwas, dass Du Betroffenen sagen möchtest?

Kristina: Bitte nehmt die Warnsignale eures Körpers ernst und lasst euch nicht sagen, dass ihr nur simuliert! Ihr habt eine ernsthafte Erkrankung, die auch ihre Berechtigung hat. Aber gebt auch nicht auf, es gibt eine Lösung für jeden von euch.

Muräne-Blog: Etwas anderes, das Du noch erzählen möchtest?

Kristina: Ich denke, Migräne ist auch ein Produkt unserer sehr auf Leistung gepolten Gesellschaft. Die Nerven sagen einfach irgendwann: Stopp! Gefühlt sind es heute viel mehr Menschen, die darunter leiden, vielleicht wurde es früher aber auch oft als „nur Kopfschmerz“ abgetan.

Gerade heute, wo fast jeder einen Bürojob hat und oft wenig Ausgleich, ist das wohl einfach auch eine ganz normale Folge unseres Lebensstils. Oft wird zwischen Tür und Angel gegessen, nicht wirklich gesund, alles ist schnell und auf Leistung gepolt.

Überdenkt alle einmal euer Leben, vielleicht könnt ihr ja an dem ein oder anderen Punkt arbeiten und Entschleunigen. Ich war letztes Jahr 3 Wochen in Thailand, das Land hat mich nachhaltig beeindruckt, selbst die gigantische und hektische Stadt Bangkok hatte für mich einen positiven Reiz. Allerdings kann man Urlaub natürlich nie mit Alltag vergleichen.

Ansonsten wünsche ich euch allen das Beste, bleibt gesund und lasst euch niemals unterkriegen!

Muräne-Blog: Vielen Dank, für das Interview!

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