„Ich lebe damit. Weil ich es muss und mir keine andere Wahl bleibt.“ – Interview mit Yvonne – Muräne-Stories No.38

Yvonne hat schon länger Migräne. Hier kommen ihre Erfahrungen mit der Migräne.

Wer bist Du und was machst Du (beruflich)?

Ich bin Yvonne, glücklich verheiratet, Mama einer Teenie Tochter. Ich lebe mit meiner Familie unserem Hund Chi Chi und 2 Katzen in einem Dorf im Saarland in unserem eigenen Häuschen. Ich arbeite als Assistentin der Geschäftsleitung bei der proWIN Direktion im Saarland und bin selbstständige proWIN Beraterin. [@die.yvohu]

Seit wann hast Du Migräne (und welche Form)? Wie äußert sich deine Migräne?

Ich habe Migräne so lange ich zurück denken kann. Als Teenager fing es an und im Erwachsenen Alter wurde es immer schlimmer. Die letzten Jahre leide ich sehr stark darunter mit bis zu 15 Attacken monatlich. Die Migräne äußert sich bei mir zu 99% links seitig und zieht über den kompletten linken Kopf Bereich. Sie krabbelt mir sozusagen den Nacken hoch bis die Schmerzen unerträglich sind, mein Kopf brennt oder pocht und der Kopf zu explodieren droht. Ich habe sehr oft Begleit Symptome. Bin extrem Geräusch und Licht empfindlich und mein Geruchs Sinn spielt dann meistens auch verrückt. Ich kann meine Ernährung so gut im Griff haben wie ich will, wenn die Migräne kommt bin ich machtlos was ungesundes Essen angeht.

Wie geht es Dir heute und wie hat sich dein Umgang mit der Migräne verändert?

Ich lebe damit. Weil ich es muss und mir keine andere Wahl bleibt. Ich habe es aber bis heute nicht zu 100% akzeptiert,  dass dies zu meinem Leben gehört. Ich suche immer weiter nach Lösungen diese verdammte Krankheit zu besiegen und bin mir sicher ich finde irgendwann mein Heilmittel.

Früher bin ich vor Schmerz fast gestorben, mittlerweile habe ich mein Schmerzmittel (Triptan), gefunden und bin froh mir wenigstens helfen zu können wenns zu arg wird.

Wie hat dein Umfeld darauf reagiert und wie reagieren heute noch Menschen, denen Du davon erzählst?

Mein direktes Umfeld kennt mein Problem und da ich schon sehr lange damit leben muss verstehen meine Familie und meine Freunde mich und wie es mir dann geht. Ich habe den besten Mann der Welt, der komplett übernimmt, wann immer ich „ausgeschaltet“ bin.

Meine Tochter wird bald 13 und sie lernt immer mehr mit Mamas Krankheit zu leben. Als sie kleiner war, war das nicht immer so einfach wenn Mama nicht mehr konnte, was Mama eigentlich muss…

Meine Eltern zeigen großes Verständnis und ich kann mich in der glücklichen Lage schätzen, dass meine Eltern auch gleichzeitig meine Arbeitgeber sind. Das erleichtert meine Arbeits Situation extrem. Wann immer es möglich ist, kann ich mir Auszeiten geben. Wenn gleich ich selbst das größte Problem darstelle, weil ich ein sehr verantwortungsbewusster Mensch bin und mich selbst sehr Schwer damit zufrieden geben kann, nicht immer zu 100% Leistung bringen zu können.

So einfach wie jetzt mit der Arbeit hatte ich es natürlich nicht immer. Denn selbst wenn der Arbeitgeber versteht was los ist und behilflich ist, gibt es oft Arbeitskollegen, die die Situation nicht verstehen und sich veräppelt fühlen, weil sie die Arbeit mit übernehmen müssen, wenn man ausfällt. Man sieht diese Krankheit ja nicht auf den ersten Blick.

Was machst Du freizeitlich und wie beeinflusst dich da deine Erkrankung?

Freizeitlich habe ich große Schwierigkeiten meinen Interessen auf Dauer nach zu kommen. Wann immer ich etwas regelmäßiger tun will funkt mir der Schmerz dazwischen und unterbricht meine Kontinuität. Das raubt mir die Energie und hemmt mich oft wieder und wieder von vorne anzufangen. Auch Treffen mit Freunden usw. klappen oft aus diesem Grund nicht oder müssen verschoben werden. Das macht mich oft sehr traurig. Auch Weiterbildungen, Schulungen usw. Machen mir zwar Spaß aber auch Probleme weil ich nicht immer fit bin.

Was hilft dir im Umgang damit? Was hilft dir bei akuten Anfällen? Was hast du ausprobiert?

Im Umgang damit helfen mir Menschen von Außen, die mich immer wieder aufbauen und Mut zu sprechen das es irgendjemand besser wird und etwas gefunden werden kann das mir hilft. Meine Familie ist meine aller größte Unterstützung.

An sonstigen „Mitteln“ helfen lediglich Triptane und selbst die nicht immer gleich gut. Zur Unterstützung habe ich mittlerweile ätherisches Öle, die mir den Schmerz etwas erträglicher machen an manchen Tagen. Getan habe ich schon so so so vieles, dass ich das hier gar nicht aufzählen kann. Von Homöopathie, über Akupunktur, Massagen, Osteopathischen Behandlungen, Entspannungs Techniken, vorbeugende Medikamente über Ernährungs Umstellungen und Vitamin Präparaten, CBD Öl, Strom Therapien, Psychotherapie und und und…. In so vielen Jahren probiert man so sehr sehr Vieles aus. Im Prinzip brauche ich viel Ruhe, wenig Stress, Dunkelheit, viel Entspannung und noch mehr  Geduld bis es vorüber geht.

Etwas, das Du anderen Betroffenen sagen möchtest?

Ich möchte allen Betroffenen sagen. Gebt nicht auf, sucht immer weiter. Für jeden Menschen gibt es Hilfen, die den schrecklichen Schmerz erleichtern. Werdet nie leise sondern redet über euren Schmerz. Der ist schrecklich und muss gehört werden. Denkt niemals ihr würdet Jammern oder seid zu wehleidig. Ihr seid verdammt stark. Gönnt euch viel Ruhe und lebt in den Momenten in denen ihr es könnt in vollen Zügen ohne Angst zu haben das euch schon nachher oder morgen die nächste böse Attacke überfällt. Das Leben ist da um Spaß zu haben und nie die Hoffnung aufzugeben.

Etwas anderes, dass Du noch erzählen möchtest?

Ich lerne immer mehr die Migräne anzunehmen aber dennoch nicht mehr meine Migräne zu sagen. Ich weiß, dass ich damit leben muss aber werde mich niemals damit abfinden so weiter leben zu müssen. Eines Tages werde ich mein Mittel finden und gesund sein. Ich gebe nicht auf und danke allen die mich auf meinem Weg begleiten und mich egal wie unterstützen.

Der allergrößte Dank geht an meine wundervolle Tochter Leya und an meinen Traummann Dominik. EINFACH DANKE!

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