„Ich habe nie viel über meine Migräne gesprochen, weil ich nicht schwach wirken wollte.“ – Interview mit Nadine – Muräne-Stories No.48

Wer bist Du und was machst Du?

Ich bin Nadine, 40 Jahre alt. Ich bin Fachärztin für Neurologie und Ayurveda-Medizinerin. Meine Facharztausbildung zur Neurologin habe ich unter anderem am Universitätsklinikum Essen gemacht, wo ich viel mit Menschen mit Migräne gearbeitet habe. Da ich nie meine Erfüllung im Arztberuf gefunden habe, entschied ich mich traditionelle indische Medizin zu studieren. In diesem Medizinsystem schauen wir uns den ganzen Menschen an und nicht nur das Symptom. So kann ich meinen Patienten heute ganzheitlich helfen, mit ihren Erkrankungen umzugehen und noch viel wichtiger, gar nicht erst chronisch krank zu werden. Ich habe selbst auch Migräne habe und hatte in meiner Zeit als Oberärztin im Krankenhaus nahezu täglich Kopfschmerzen. Dank Ayurveda sind es nun ich 2-3 Attacken im Jahr. Was für mich so wunderbar funktioniert hat gebe ich heute in Einzelberatungen, Retreats und einem Abo für Menschen mit Migräne weiter. [Instagram: dr.nadine.webering]

Hat Deine Migräne einen Namen?

Witzigerweise nenne ich meine Migräne auch öfter mal Muräne. Das ist in meiner Zeit im Krankenhaus irgendwann aus einem Scherz heraus entstanden.

Seit wann hast Du Migräne (und welche Form)? Wie äußert sich deine Migräne?

Ich denke meine Migräne begleitet mich schon seit der Pubertät. Sie ist halbseitig, pulsierend und mit Licht- Und Lärmempfindlichkeit verbunden. In schlimmen Attacken hatte ich früher auch oft Übelkeit. Ganz selten habe ich eine visuelle Aura.

Wie geht es Dir heute und wie hat sich dein Umgang mit der Migräne verändert?

Ich bin so dankbar, dass ich heute fast immer vergessen kann, dass ich Migräne habe. Bei den wenigen Attacken, die ich noch habe kann ich immer genau sagen, warum. Ich habe dann einfach mal wieder nicht genug auf mich geachtet und mir zu viel zugemutet.

Wie hat dein Umfeld darauf reagiert und wie reagieren heute noch Menschen, denen Du davon erzählst?

Ich habe nie viel über meine Migräne gesprochen, weil ich nicht schwach wirken wollte. Das war in der Welt in der ich gearbeitet habe leider so. Wenn ich heute darüber spreche, stoße ich erfreulicherweise auf viel Verständnis.

Was machst Du freizeitlich und wie beeinflusst dich da deine Erkrankung (oder beeinflusst die dich da überhaupt?)?

Zum Glück tut sie das heute nicht mehr. Ich mache viel Yoga, gehe spazieren oder wandern oder bin mit Menschen zusammen, mit denen ich mich wohl fühle.

Was hilft dir im Umgang damit? Was hilft dir bei akuten Anfällen? Was hast du ausprobiert?

Ärzte sind ja immer die schlechtesten Patienten. Früher habe ich manchmal Schmerzmittel genommen, meist Ibuprofen. In schlimmen Attacken hab ich auch mal Aspirin-Infusionen bekommen. Heute nehme ich keine Schmerzmittel mehr, wenn es mich doch mal erwischt. Ich arbeite dann mit ätherischen Ölen, Pranayama (Atemübungen), Yoga und Entspannung. Das hilft mir immer.

Etwas, das Du anderen Betroffenen sagen möchtest?

Sei selbst wirksam! Das ist mir ganz wichtig. Ich sehe so viele Menschen mit Migräne, die über die jähre der Erkrankung und ärztlichen Behandlung ihre Selbstwirksamkeit völlig verloren haben. Sie haben so oft die Erfahrung gemacht, dass außer Tabletten nichts wirkt (und selbst diese oft nicht), dass sie es einfach aufgegeben haben, weiter zu kämpfen. Mir hat der Ayurveda gezeigt, dass es immer einen Weg gibt, wenn man wirklich individuell mit Betroffenen arbeitet und herausfindet, wie man sie wieder in ihre Balance bringen kann. Und das schönste daran ist, dass sie es selbst in der Hand haben. Wieder die Kontrolle zurück zu bekommen war für mich und ist für alle meiner Klienten ein ganz großer Schritt in Richtung Reduktion der Kopfschmerztage.

Etwas anderes, dass Du noch erzählen möchtest?

Ich glaube, es ist für uns Migräniker ganz wichtig, wieder zu lernen, auf unsere innere Weisheit zu hören. Wir sind so oft im Kopf, dass wir einfach verlernt haben, die Signale unseres Körpers wahrzunehmen. Und der Körper sagt uns immer, was er braucht. Wir dürfen einfach nur wieder lernen, ihn zu verstehen.

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