„Ich habe mich sehr lange gegen meine Migräne gewehrt.“ Interview mit Michelle – Muräne-Stories No.51

Wer bist Du und was machst Du?

Mein Name ist Michelle und ich arbeite Vollzeit in der Verwaltung. [Instagram: @Kaempferinmitherzundkopf]

Seit wann hast Du Migräne (und welche Form)? Wie äußert sich deine Migräne?

Ich habe seit ca. meinem 14 Lebensjahr Migräne mit Aura. Meine Migräne beginnt mit Taubheitsstörungen und Sinnesstörungen in den Händen/Armen und danach folgen sofort die Sehstörungen. Bei mir äußern sich die Sehstörungen so, dass ich gewisse Sachen einfach nicht mehr sehen kann, da an diesem Punkt ein blinder Fleck ist. Ich sage immer Gewitter dazu, da dieser Fleck grau ist und teilweise kleine Blitze darin sind.

Wie geht es Dir heute und wie hat sich dein Umgang mit der Migräne verändert?

Mein Umgang mit der Migräne hat sich insofern geändert, dass ich gelernt habe, sie zu akzeptieren. Sie ist nun mal ein Teil von mir und damit muss ich leben. Mittlerweile habe ich auch verstanden, dass wenn ich mich wehre, sie nur gemeiner wird. Leider ist die Migräne nicht heilbar, dennoch denke ich, dass man selbst einen kleinen Teil dazu beitragen muss, dass unsere Migräne nicht so gemein ist. Man muss lernen seine Trigger herauszufinden und versuchen diese zu meiden bzw. zu umgehen. Heute geht es mir relativ gut, denn mittlerweile fühle ich mich nicht mehr ganz so hilflos wie noch vor ein paar Monaten.

Wie hat dein Umfeld darauf reagiert und wie reagieren heute noch Menschen, denen Du davon erzählst?

Zum Glück kannte meine Mama die Symptome der Migräne, da sie selbst darunter leidet. Aber für ein Kind ist es wirklich schlimm. Ich kann mich noch gut an meinen ersten Anfall erinnern. Ich hatte so eine Panik. Leider ist die Krankheit heutzutage „Ausrede“ für alle. Deshalb wird sie einfach nie ernst genommen. Dabei ist Migräne eine schwere, neurologische Erkrankung. Ich musste in meinem (jungen) Leben schon sehr oft rechtfertigen, da die Leute denken, es sind „nur“ Kopfschmerzen. Dabei ist es sehr viel mehr. Die Einzigen, die mich tatsächlich verstehen sind meine Mama und meine Oma, da sie auch unter Migräne mit Aura leiden. Wenn mich andere fragen, warum ich so schlecht aussehe, sage ich, dass ich gestern Migräne hatte. Die Antwort darauf meistens: „Ich hatte letzte Woche auch Kopfschmerzen“ oder „Schon wieder?“. Wenn ich diese Antworten höre, gebe ich mir mittlerweile nicht mehr die Mühe und erkläre eigentlich was Migräne ist, sondern ich sage einfach „Okay“. Die Reaktionen der Leute sind dann meistens eindeutig.

Was machst Du freizeitlich und wie beeinflusst dich da deine Erkrankung (oder beeinflusst die dich da überhaupt?)?

In meiner Freizeit unternehme ich viel mit Freunden und habe inzwischen das Walken/Spazierengehen für mich entdeckt. Das Walken tut mir sehr gut und ich glaube meiner Migräne auch. In meiner Freizeit beeinflusst mich meine Migräne in dem Sinne, dass sie leider absolut nicht planbar ist. Aber meine Freunde wissen es und haben dafür zum Glück Verständnis.

Was hilft dir im Umgang damit? Was hilft dir bei akuten Anfällen? Was hast du ausprobiert?

Mir hilft bei einem aktuen Migräneanfall mein Novaminsulfon. Da ich einen Herzfehler habe, darf ich leider keine Triptane nehmen. Dazu brauche ich dringend Ruhe und Dunkelheit. Schlafen ist einfach die beste Medizin. (wenn man das durch die Schmerzen kann). Außerdem habe ich gelernt, was Me-Time bedeutet. Davor habe ich das Thema nicht beachtet, aber mittlerweile gönne ich mich zwischendurch einfach mal Zeit für mich und tue das, worauf ich Lust habe. Entspannungsübungen helfen mir auch sehr. Durch meinen Herzfehler kann ich leider nicht so viel ausprobieren, wie ein anderer Migränepatient.

Etwas, das Du anderen Betroffenen sagen möchtest?

Lernt euch zu akzeptieren und zu lieben wie ihr seid! Ich sage immer: Alles im Leben hat seinen Grund! Natürlich kenne ich den Grund nicht, ab er so fällte es mir leichter mich zu akzeptieren. Geht offen mit eurer Krankheit um und erklärt den Menschen, was es ist. Sucht euch den richtigen Arzt, der euch versteht und helfen möchte. Ganz wichtig: Gönnt euch Me-Time oder einfach mal eine Auszeit. Es ist so wichtig, denn man im Leben nur eine Gesundheit. Ich habe mich sehr lange gegen meine Migräne gewehrt bzw. mich nie für sie interessiert. Bis ich einen Anfall nach dem anderen hatte. Dann habe ich gelernt, dass ich micht tatsächlich mal mit ihr beschäftigen muss. Sucht euch Gleichgesinnte, die das gleiche durchmachen müssen. Tauscht euch aus. Gebt niemals auf!

Etwas anderes, dass Du noch erzählen möchtest?

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