„Ich habe gelernt, damit zu leben.“ – Interview mit Diana – Muräne Stories No.76

Ich bin Diana, gelernte Bankkauffrau, habe Betriebswirtschaft & Wirtschaftspsychologie studiert und bin selbstständige Autorin. [@di_di_author]

Seit wann hast Du Migräne (und welche Form)? Wie äußert sich deine Migräne?

Seit ich fünfzehn bin. Also mittlerweile 18 Jahre. Migräne mit Aura habe ich.

Sie äußert sich in starken Kopfschmerzen, Geruchsempfindlichkeit, häufig Erbrechen. Manchmal Sehstörungen oder einseitige Lähmungen und sehr selten werde ich ohnmächtig.

Wie geht es Dir heute und wie hat sich dein Umgang mit der Migräne verändert?

Ich habe gelernt, damit zu leben. Da ich besonders auf Gerüche reagiere, achte ich drauf, mich ihnen nicht zu stark auszusetzen (z.B. meide ich Parfümerien, trinke keine Kaffee, etc.). Ich bin generell entspannter geworden, weil ich weiß, was mit mir passiert und dass es irgendwann vorbeigeht. Dennoch wünsche ich mir während einer Attacke nicht selten, sie solle doch bitte einfach vorbei gehen.

Wie hat dein Umfeld darauf reagiert und wie reagieren heute noch Menschen, denen Du davon erzählst?

Mein Umfeld ist sehr verständnisvoll und hilft mir. Auch auf Arbeit war das selten ein Problem. Natürlich kann ich nicht in die Köpfe der Menschen gucken, aber aus meiner Sicht war es immer okay, wenn ich mal nen Tag ausgefallen bin wegen einer Attacke. Die meisten, denen ich davon erzähle, haben Mitleid mit mir. Nichts, was ich möchte, aber das ist wohl eine nur menschliche Reaktion. Es ist sicherlich auch schwierig, so etwas nachzuvollziehen, wenn man es nicht kennt.

Was machst Du freizeitlich und wie beeinflusst dich da deine Erkrankung?

Ich mache gerne Sport. Das geht mit einer ausgereiften Attacke natürlich nicht. Es wäre viel zu gefährlich und ist körperlich auch zu anstrengend. Und ich schreibe und lese Bücher, was mit Migräne leider auch nicht geht. Es schränkt mich an Attacke-Tagen ein, aber nicht so, dass ich es als sehr große Belastung ansehe. Ich habe gelernt, mich damit zu arrangieren. Was nicht so schön ist, ist eine Attacke an Tagen von Feiern (Hochzeiten, große Geburtstage, Weihnachten, etc.). Da bin ich immer sehr traurig, wenn ich die Feier nicht richtig genießen kann aufgrund von Schmerzen oder gar nicht erst hingehen kann.

Was hilft dir im Umgang damit? Was hilft dir bei akuten Anfällen? Was hast du ausprobiert?

Ausruhen. Unter die Dusche setzen (das Wasser lindert die Schmerze ein wenig). Ich habe verschiedene Schmerzmitteln probiert. Meist in Form von Tropfen oder Schmelztabletten, da ich mich bei einer Attacke fast immer übergeben muss und normale Tabletten es so selten „ins System“ geschafft haben.

Etwas, das Du anderen Betroffenen sagen möchtest?

Durchhalten. Jede Attacke hat irgendwann ein Ende. Und lasst euch von anderen nichts sagen oder euer Leiden auf Kopfschmerzen reduzieren. Ich habe mal eine Tablettentherapie mit meiner Ärztin versucht, bei der Kopfschmerzen die größte Nebenwirkung waren. Migräne sind keine Kopfschmerzen. Wir wissen es alle, aber die meisten Menschen wissen es nicht. Es gibt weniges, was mich mehr aufregt als Aussagen wie: „Ach, du hast Kopfschmerzen. Na dann.“ Ich würde dafür töten, wenn meine Migräne nur aus ein paar Stunden Kopfschmerzen bestehen würde.

Fordert ein, ernstgenommen zu werden (gerade die, die Migräne erst seit kurzem haben) und nehmt euch selber ernst. Die Migräne und du werden jetzt eine sehr lange Beziehung haben, aus der man leider nicht rauskommt. Deswegen muss man sich irgendwie arrangieren.

Ihr seid nicht alleine. Es gibt (leider) viele andere, die euer Leiden kennen und es teilen. Sich auszutauschen kann helfen. Mit jedem zu reden, der nachvollziehen kann, wie sch***e es einem dabei geht, hat einen sehr positiven Effekt. Zumindest bei mir.

Etwas anderes, dass Du noch erzählen möchtest?

Eine kleine Anekdote: Ich habe ein Buch geschrieben, in dem eine meiner Hauptpersonen Migräne hat (ich bin recherchefaul :P). Ich habe dieser Person eins zu eins meine Migräne zugeschrieben inklusive Attacken etc. Und dieses Manuskript habe ich bei einer Literaturagentur eingereicht. Sie schickte es mir abgelehnt zurück (was nicht schlimm ist) und schrieb, dass meine Darstellung der Migräneattacken viel zu unrealistisch sei. Solche Migräne hätte doch keiner. Ich muss gestehen, ich war ein wenig vor den Kopf gestoßen. Denn ich habe schließlich genau diese Migräne. Am Ende hab ich nicht zurückgeschrieben und mich erklärt, aber unhöflich fand ich es trotzdem. Man hätte ja auch fragen können, woher ich meine Informationen dazu bekomme. In meinem privaten Umfeld ist es noch nie passiert, dass mir jemand nicht glaubt (warum sollte ich mir so einen Mist auch ausdenken? L). Das war das erste Mal und ich fand es nicht schön.

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