„Tausche Kopfgewitter gegen Lebensfreude!“ – Interview mit Ulrike – Muräne-Stories No.69

Ulrike Grabmair ist Buch-Autorin von dem Ratgeber: MIGRÄNE verstehen – vorbeugen – behandeln, außerdem hat sie das Unternehmen Kopfgewitter: www.kopfgewitter.at gegründet. Ihre aktuelle (zusätzliche) Webseite: https://www.ulrikegrabmair.at/

Wer bist Du und was machst Du (beruflich)?

Hallo, ich bin Ulrike und ich begleite mit meinem Unternehmen KOPFGEWITTER Migräne Betroffene und ihre Angehörigen im Umgang mit den tagtäglichen Herausforderungen und mit dem großen Leidensdruck den Migräne oft mit sich bringt. Mein Fokus liegt auf der psychologischen Beratung, d.h. ich begleite meine Klienten dabei ihre Bedürfnisse besser kennenzulernen. Ich unterstütze sie im Auflösen von alten Verhaltensweisen und blockierenden Denkmustern, in einem Lernen sich auch mit der Migräne annehmen und lieben zu dürfen um so auch wieder mehr Lebensqualität und Wohlbefinden erleben zu können. [Instagram: ulrike_grabmair]

Darüber hinaus halte ich Vorträge und Workshops in Unternehmen um auf das Thema Kopfschmerzen und Migräne im Berufsalltag hinzuweisen um dieses – leider noch immer – große Tabuthema aufzubrechen und ein Unternehmensklima zu schaffen in dem es möglich ist darüber sprechen zu können. Dabei berate ich auch Unternehmen für betroffene Mitarbeiter gezielte Maßnahmen zu entwickeln und anbieten zu können.

Und ich bin Autorin des Migräne Ratgebers MIGRÄNE verstehen – vorbeugen – behandeln. In meinem Selbsthilfe Ratgeber schreibe ich unter dem Motto „Tausche Kopfgewitter gegen Lebensfreude!“ darüber, was du für dich ergänzend zur medikamentösen Behandlung sowohl präventiv, als auch im Akutfall tun kannst.

Um zu lernen die Migräne zu akzeptieren und nicht mehr gegen sie anzukämpfen finde ich es eine gute Idee ihr einen Namen zu geben. Für viele Betroffene ist es auch eine Erleichterung um auf diesem Weg leichter nach außen ohne große Rechtfertigung oder Erklärung kommunizieren zu können – du ich habe heute Migräne. Also ein großes DANKE an Bianca und wie du es vorlebst, wenn Erna mal wieder grad zu Besuch ist!

Da ich persönlich meiner Migräne nie so viel „Raum“, d.h. eine so große Bedeutung einräumen wollte, hat sie keinen Namen und wird auch zukünftig keinen bekommen.

Seit wann hast Du Migräne (und welche Form)? Wie äußert sich deine Migräne?

Meinen ersten Migräne Anfall hatte ich mit drei Jahren. In meiner Kindheit hatte ich ca. alle 10 Tage einen Anfall, keiner konnte sich erklären, worunter ich litt oder mir weiterhelfen. Bis zur Pubertät hat sich die Migräne „nur“ mit Schläfrigkeit, Übelkeit und Erbrechen gezeigt, später dann zusätzlich mit Kopfschmerzen und Wortfindungsstörungen. Bei mir hat es ca. 15 Jahre gedauert, bis ich die Diagnose „Migräne mit Aura“ bekommen habe, da es vorher trotz aller Bemühungen und Arztbesuche nicht erkannt und richtig diagnostiziert wurde.

Wie geht es Dir heute und wie hat sich dein Umgang mit der Migräne verändert?

Die Migräne hat für mich ihren Schrecken verloren, auch weil ich gelernt habe das in meinen Alltag einzubauen, was die Migräne einfordert: Pause machen dürfen, ausreichend Rückzug und auch mal alleine sein dürfen, einmal nichts leisten zu müssen, einmal ganz bei mir sein.

Ich habe mich und meine Bedürfnisse kennengelernt, gelernt auch mal Kontrolle abgeben zu können und voller Vertrauen in das Leben zu gehen (ja, es ist eine Reise und an diesem Punkt arbeite ich noch immer 😊) Ich erlaube mir Emotionen wahrzunehmen und nicht zu verdrängen, sondern nach außen kommunizieren und leben zu dürfen. Wir bringen uns um so viele wunderschöne, unbeschwerte Momente voller Leichtigkeit, wenn wir immer zu viel im Kopf und in der Kontrolle leben….

Wie hat dein Umfeld darauf reagiert und wie reagieren heute noch Menschen, denen Du davon erzählst?

Früher ist es mir sehr schwer gefallen über die Migräne zu sprechen um ja nicht als schwaches Sensibelchen zu gelten. Vor allem im Berufsleben habe ich die Migräne versteckt so gut es ging. Wegen Migräne in den Krankenstand zu gehen, wäre für mich trotz starker Schmerzen unmöglich gewesen.

Heute halte ich z.B. auch Vorträge darüber wie sich ein Migräne Anfall anfühlt und was dabei für mich immer (die emotionale Achterbahnfahrt – himmelhochjauchzend, zu Tode betrübt) das Belastendest war. Dabei erlebe ich immer auch vor allem in den Rückmeldungen wie wertvoll es ist darüber zu sprechen um auch anderen Betroffenen Mut zu machen sich zu öffnen.

Was machst Du freizeitlich und wie beeinflusst dich da deine Erkrankung (oder beeinflusst die dich da überhaupt?)?

Ich bin gerne mit meinem Hund draußen in der Natur, lasse mein Handy dabei auch mal daheim oder auf lautlos geschaltet und genieße die Stille im Wald. Das erdet mich sehr, vor allem wenn es mal wieder im Außen sehr hektisch zugeht.

Außerdem mache ich gerne Ausdauersport, das hilft mir sehr um einen „freien“ Kopf zu bekommen, Dinge zu ordnen und Klarheit zu schaffen.

Ich liebe es mich mit persönlicher Weiterentwicklung zu beschäftigen, nach innen zu schauen und mache im Moment sehr viele wertvolle Seminare. Meine Erkenntnisse und Erfahrungen gebe ich natürlich dann auch gerne weiter und lasse sie in meine Arbeit mit meinen Klienten einfließen.

Was hilft dir im Umgang damit? Was hilft dir bei akuten Anfällen? Was hast du ausprobiert?

Ich distanziere mich mental von den Emotionen und Gedanken, die bei einem akuten Anfall auftauchen. Das sind bei ganz starken Schmerzen oft auch nur ganz einfache Methoden wie „den Schmerz ausatmen“ und „innere Ruhe und Selbstheilungskräfte einatmen“.

Dabei kämpfe ich nicht mehr gegen den Schmerz an, sondern nehme ihn an und unterstütze mich mit mentalen Schmerzauflösungstechniken, ein gezieltes in den Schmerz hineingehen und auflösen, Visualisierungen und Atemübungen.

Unser Körper ist nicht unser Feind, den es zu bekämpfen und zu kontrollieren gilt, er möchte uns immer durch die Symptome auf etwas hinweisen. Unser Körper hat so wertvolle Selbstheilungskräfte, die wir leider oft vergessen haben um sie für uns zu nützen.

Wie müssen nicht ohnmächtig und hilflos ausgeliefert warten und hoffen, dass unsere Medikamente wirken. Es gibt so viele wertvolle Tools, die wir anwenden können um uns auch in einer akuten Phase zu unterstützen.

Etwas, das Du anderen Betroffenen sagen möchtest?

Bestimme deinen Selbstwert nicht über die Häufigkeit deiner Kopfschmerztage, darüber wie viele Medikamente du dieses Monat schon nehmen musstest oder ob deine Migräne App rot oder grün aufleuchtet. Du bist soviel mehr als deine Migräne! Deine Migräne annehmen heißt auch immer dich anzunehmen – so wie du bist, mit allen Teilen die im Moment zu dir dazugehören.

Gehe mitfühlend (nicht mitleidig) mit dir um. Vor allem in Momenten oder Phasen in denen es dir nicht gut geht, belaste dich nicht noch zusätzlich mit Selbstanklage oder Selbstzweifel, mit dem Druck nach dem Anfall alles wieder wettmachen oder nachholen zu müssen. Das kostet nur zusätzlich Kraft, die du dringend brauchst um auch mental stabil zu bleiben.

Werde dein eigener Experte! Informiere dich bei Neurologen, Selbsthilfegruppen, bei anderen Betroffenen, probiere aus, bleib offen – aber wahre Veränderung kann nur im inneren geschehen. Lerne auch wieder deiner Intuition zu folgen, deinen Körper zu vertrauen, dass er dir zeigt was er braucht. Ich spreche aus eigener Erfahrung wenn ich sage, das ist nicht immer leicht, aber es zahlt sich auf jeden Fall aus!

Lass die Selbstliebe wieder in dein Leben einziehen. Ja, ich weiß – Selbstliebe klingt nach einem so großen Wort und darf man das überhaupt, sich selber lieben? Für mich beginnt Selbstliebe in den alltäglichen Dingen. Immer auch mit klaren Entscheidungen und kleinen ersten Schritten. Einem Erlauben, dich und deine Gesundheit als wichtig zu erachten und hinzuschauen. Hinzuschauen, was braucht mein Körper, meine Seele, mein Herz? Entscheidet immer nur der Kopf was zu tun ist? Was wünscht sich denn dein Herz? Gibt es etwas was zu wenig gelebt wird, wofür du dir zu wenig Zeit und Raum gibst?

Selbstliebe bedeutet für mich auch einmal etwas zu tun, rein nur, weil es Spaß macht und nicht nur weil es einen bestimmten Nutzen hat oder einen Zweck erfüllen muss.

Deinen wahren Wert nicht über die Anerkennung von außen definieren zu müssen, sondern zu deiner eigenen Meinung und Wahrheit zu stehen, auch das ist Selbstliebe.

Selbstliebe beinhaltet auch zu lernen Grenzen zu ziehen, Nein zu sagen, wenn man Nein sagen möchte und dass man das auch OHNE schlechtem Gewissen tun darf.

Es bedeutet auch sich mit Menschen zu umgeben, die du wertschätzt, die dich wertschätzend behandeln und bei denen du so sein kannst wie du bist. Ohne eine Rolle zu spielen, weil es so gewünscht ist oder du glaubst eine gewisse Erwartung erfüllen zu müssen.

Denn Selbstliebe umfasst es nicht allen anderen recht machen zu wollen, sondern dein Leben so zu gestalten wie du es möchtest! Nach deinen Regeln und deinen Werten.

Daher ist es gar nicht so wichtig, was ich unter Selbstliebe verstehe, sondern viel bedeutsamer was DU darunter verstehst…

….daher lade ich dich am Ende des Interviews ein hinzuspüren:

Was bedeutet Selbstliebe für dich und welche Aspekte davon möchtest du zukünftig in dein Leben einladen?

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