„Mein Exmann erklärt den Kindern regelmäßig, dass alles nur Einbildung wäre. Migräne gäbe es nicht“- Interview mit Esther – Muräne Stories No.95

Wer bist Du und was machst Du?

Wie lange hast Du schon Migräne? Wann fing das an, gab es eine bestimmte Situation an die Du Dich erinnerst?

Ich habe die Migräne seit einsetzen der Pubertät, Kopfschmerzen die ein zwei Tage dauerten, bis ich zu Beginn des Studiums in einer Apotheke Schmerztabletten holen wollte. Die Apothekerin sah mich an und sagte: Sie brauchen nichts sagen. Ich seh Ihnen Ihre Migräne an.
Da hatte ich erstmals eine Ahnung.

Welche Migräneform(en) hast Du und wie äußert sie sich?

Ich habe überwiegend Migräne ohne Aura,
Leide seit den Covidimpfungen zusätzlich an Schwindelmigräne und auch an Migräne mit Aura.

Wie heißt Deine Migräne?

Migränemonster…
Eigentlich ist sie sympathisch und sieht auch gar nicht so böse aus, ganz im Gegenteil.

Wie geht es Dir heute und wie hat sich Dein Umgang damit verändert?

Ich habe einige Phasen durch. Von chronischer Migräne habe ich nach meiner Scheidung noch mal die Ernährung umgestellt, regelmäßig Sport gemacht, meinen Schlaf- und Essensrhythmus angepasst und werde immer achtsamer mit mir selber. Ich versuche ständig alles mit mögliche zu unternehmen und bin auf ein einigermaßen erträgliches Level von 3-4 Attacken im Monat und unter 8 Schmerztagen zu reduzieren. Ich kann sie besser annehmen und meide Menschen, die kein Verständnis haben.

Wie beeinträchtigt Dich die Migräne im Beruf und in der Freizeit?

Sie schränkt mich ein, weil ich viele Dinge einfach nicht mehr mache. Ich würde sie bereuen und mit noch mehr Attacken bezahlen.
Freunde treffen kann ich mir immer einzeln und auf bestimmte Zeit.
Die Arbeitsstelle habe ich zugunsten meiner Gesundheit gewechselt. Den Sport musste ich auch anpassen, andere Sportarten wählen, bzw. Vorkehrungen wie zusätzliche Dextrosezufuhr treffen.
Die Kinder mussten früh lernen während der Attacken Hilfe zu holen und sich selbst zu beschäftigen.
So angepasst kann ich 75% meiner Zeit nutzen und mit angezogener Handbremse meinen Weg gehen.

Was hilft Dir im Umgang mit der Migräne?

Genug Rückzugsmöglichkeiten, Verständnis und liebevolle Unterstützung von den Kids und meinem Partner, verständnisvolle Chefin sind Gold wert.

Wie hat Dein Umfeld auf Deine Migräne reagiert und wie reagieren heute noch Menschen, denen Du davon erzählst?

Mein Exmann erklärt den Kindern regelmäßig, dass alles nur Einbildung wäre. Migräne gäbe es nicht. ( Mein mittlerer leidet auch darunter)
Meine Eltern verstehen es leider auch bis heute nicht und ständig erhalte ich Sprüche wie: Das ist doch nicht normal. Da musst du doch mal was tun/was anderes ausprobieren.
Meine engsten Freundinnen sind glücklicherweise verständnisvoll obwohl selbst nicht betroffen.
Aber allgemein finde ich das „Ansehen“ der Migräne leider als sehr gering, Ausrede für vieles.

Was hilft Dir im Migräne Anfall?

Ruhe, hinlegen
Triptane
Essen
Augen schließen

Und irgendwann wechselt es in Unruhe, meist ab Tag drei. Dann muss ich wuseln und machen…. Als würde ich der Migräne sagen wollen du kannst mich mal.

Was hast Du schon ausprobiert und was möchtest Du noch ausprobieren?

Betablocker- gingen gar nicht.

Ich meditiere regelmäßig, würde gerne noch Yoga ausprobieren.
Ansonsten hab ich alle nicht medikamentösen Sachen durch. Eigenblut, Akupunktur, Ernährung anpassen, viel Bewegung, Physiotherapie, knirschschiene, und bestimmt noch einiges vergessen….

Was möchtest Du Migräne-Kämpfer:innen sagen?

Vertraut auf euer Wissen, dass ihr Kämpfer seid und lasst Euch nicht klein reden, nur weil ihr an so vielen Tagen nicht alles geben könnt!

Was möchtest Du Menschen ohne Migräne sagen?

Da fehlen mir leider die richtigen Worte, um das Leid deutlich zu machen und zu erklären, wie es einem geht, ohne dass man es einem immer ansieht.

Hast Du ein Lebensmotto, einen Spruch, der Dir Kraft gibt?

Früher wollte ich immer über mich hinauswachsen, es allen beweisen, auch mit Migräne die Arbeit zu Ende führen, nur nicht aufgeben.
Heute weiß ich, dass das Quatsch ist. Ich versuche auf meinen Körper zu hören und ihm zuzugestehen, wenn es ihm nicht gut geht. Ich versuche liebevoll und achtsam mit mir selbst zu sein, weil ich es mir wert bin.

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