„Bleibt stark und wisst die schmerzfreien Tage umso mehr zu schätzen.“ – Interview mit Sanata – Muräne Stories No.104

Wer bist Du und was machst Du?

Wie lange hast Du schon Migräne? Wann fing das an, gab es eine bestimmte Situation an die Du Dich erinnerst?

Meine Diagnose „Migräne mit Aura“ habe ich 2010 bekommen. Den ersten Anfall hatte ich jedoch bereits 2008. Ich war bereits als Kind und Jugendliche viel Stress ausgesetzt, da ich parallel zu meinen Berufsausbildungen mehrere Nebenjobs hatte, um mir meine Mietwohnung und meinen Lebensunterhalt finanzieren zu können. Niemand wusste mir weiterzuhelfen und da mir so schlecht gewesen ist, dass ich mich ständig übergeben musste, habe ich die Erkrankung als „Kotzeritis“ betitelt. Nach einigen Untersuchungen bei meinem Neurologen, stand die Diagnose fest. Mit dieser Diagnose kam auch die Erleichterung dahingehend, endlich von meinem Umfeld ernst genommen zu werden und nicht als „überempfindlich“ oder als „zart besaitet“ betitelt zu werden. Zudem habe ich Triptane verschrieben bekommen, die zu einer Besserung führten.
Die Anfälle werden bei mir durch Stress ausgelöst.

Welche Migräneform(en) hast Du und wie äußert sie sich?

Ich habe Migräne mit Aura. Stress, wenig Schlaf, unregelmäßige Nahrungsaufnahme, Licht (insbesondere grelles oder flackerndes Licht) und Lärm führen leider dazu, dass sich die Migräneanfälle häufen und intensivieren. Ich werde lichtempfindlich, meine Augen schmerzen, der Kopf fühlt sich an, als würde er jederzeit vor Schmerzen platzen können. Stirn und Augenbereich sind druckempfindlich, im Ohr höre ich ein Sausen, die Beine beginnen von den Füßen an taub zu werden, die Finger fangen meist einseitig an zu kribbeln und taub zu werden, bzw. schlafen ein. Mir wird schwindelig und ich habe oft das Verlangen, mich übergeben zu müssen. Meist kommt Durchfall hinzu. Mein Sichtfeld ist bei einem Migräneanfall stark eingeschränkt. Ich sehe Dinge nur zur Hälfte, doppelt oder komplett verschwommen und verzerrt. Lesen kann ich dann auch nicht mehr, weil sich alles dreht. Ich kann dann auch kaum sprechen oder kommunizieren.

Wie heißt Deine Migräne?

Migräne mit Aura

Wie geht es Dir heute und wie hat sich Dein Umgang damit verändert?

Aktuell häufen sich die Migräneanfälle wieder. Ich akzeptiere die Migräne als Teil von mir, jedoch fällt es mir häufig schwer, positiv über meine Erkrankung zu denken. Achtsamkeit spielt in meinem Leben eine große Rolle. Ich lebe bewusst, das bedeutet, dass ich morgens und abends meditiere, bewusst auf meine Atmung achte und mich auch bewusst zurückziehe oder ‚Nein‘ sage, wenn etwas gegen meinen Willen geschieht. Zudem achte ich darauf, meinen Terminkalender nicht zu voll zu gestalten, um mich selbst nicht viel Stress auszusetzen.

Wie beeinträchtigt Dich die Migräne im Beruf und in der Freizeit?

Im Studium beeinträchtigt mich die Migräne mit Aura extrem. Bereits Erlerntes vergesse ich nach einem Anfall sofort, weswegen ich frühzeitig mit dem Lernen anfangen muss. Zudem stresst mich bereits der Gedanke daran, in der Klausurenphase oder während der Klausursituation einen Anfall zu bekommen. Da kommt in mir die Angst zum Vorschein, nicht zu genügen oder nicht so gut zu sein. Ich fühle mich dann leistungsschwach und vergleiche mich mit meinen Kommilitonen.

In der Freizeit beeinträchtigt mich meine Migräne immer noch, jedoch kann ich selbst Einfluss auf meine Freizeitgestaltung nehmen, in dem ich mir in meinem Terminkalender genug Freizeit einräume. Ich bin der Auffassung, dass wir Menschen grundsätzlich schon viel Stress im Alltag ausgesetzt sind. Da muss man sich nicht noch Freizeitstress aussetzen. Meine Freunde verstehen es, dass ich mich häufig zeitig ausklinke, weil ich Zeit für mich brauche. Sie haben auch Verständnis dafür, dass ich Verabredungen aufgrund eines Migräneanfalls spontan absagen muss. Meine Herzensmenschen haben sich teilweise auch einen Vorrat aus Fruchtbonbons von CAMPINO sowie Oliven und Gewürzgurken für mich angelegt, weil sie wissen, wie sehr mir diese Nahrungsmittel bei einem Anfall helfen.

Was hilft Dir im Umgang mit der Migräne?

Offener Umgang und Verständnis helfen mir im Umgang mit meiner Migräneerkrankung. Ich schaffe Transparenz, sodass meine Mitmenschen verstehen, warum ich lieber im Dunklen arbeite, mich zeitig zurückziehe, nicht an jeder Veranstaltung teilnehme oder mich im Restaurant umsetzen muss, weil mir beispielsweise die Beleuchtung zu grell ist und deswegen ein Trigger für einen Migräneanfall sein könnte.

Wie hat Dein Umfeld auf Deine Migräne reagiert und wie reagieren heute noch Menschen, denen Du davon erzählst?

Seit 2008 begleitet mich die Migräne und 2010 habe ich die Diagnose Migräne mit Aura bekommen. Ich muss sagen, dass sich in den letzten Jahren der Umgang mit Erkrankungen im Allgemeinen deutlich verbessert hat. Mein damaliges Umfeld hat mich anfänglich belächelt und ich wurde als zart besaitet sowie überempfindlich betitelt. Sie konnten nicht verstehen, wieso es mir plötzlich immer wieder so schlecht ging und ich mich aus dem sozialen Leben zurückgezogen habe. Heutzutage werde ich nicht mehr belächelt. Gerade die Menschen, die mir nahestehen, begegnen mir mit Verständnis. Mein heutiges Umfeld reagiert einfühlsam. Dennoch gibt es leider genug Menschen, die für meine Erkrankung kein Verständnis aufbringen können. Sie belächeln die Migräne, bezeichnen sie als einfache Kopfschmerzen und es fallen auch Äußerungen dahingehend, dass ich mich nicht so anstellen soll.

Was hilft Dir im Migräne Anfall?

Bei einem Migräneanfall muss ich mich umgehend hinlegen, die Räumlichkeiten abdunkeln, viiiiiiiiel Flüssigkeit trinken, insbesondere Elektrolyten wie beispielsweise Gewürzgurkenwasser und Olivenwasser. Zudem helfen mir immer die Fruchtbonbons von CAMPINO, damit ich mich nicht direkt übergeben muss. Zudem habe ich zuhause immer 6 nasse Waschlappen im Gefrierfach, die ich mir auf die Augen lege. Neben dem Bett habe ich einen Nachttisch. Auf diesen Nachttisch stelle ich, bzw. stellt mein Ehemann einen Eimer mit Wasser hin, in dem ich mich übergeben kann.

Was hast Du schon ausprobiert und was möchtest Du noch ausprobieren?

Triptane, Antiepilektikum sowie Imigraninject und Infusionen habe ich bereits ausprobiert, bzw. nutze ich immer noch. Gerne möchte ich Hypnose sowie Akupunktur ausprobieren.

Was möchtest Du Migräne-Kämpfer:innen sagen?

Schafft Euch selbst ein positives Umfeld. Ein Umfeld, das Euch und Eure Erkrankung ernst nimmt und Euch gut tut. Bleibt stark und wisst die schmerzfreien Tage umso mehr zu schätzen.

Was möchtest Du Menschen ohne Migräne sagen?

Genießt den Tag und bitte zeigt Verständnis für die Menschen mit Migräneerkrankung. Dies ist etwas, was sich niemand freiwillig aussucht.

Hast Du ein Lebensmotto, einen Spruch, der Dir Kraft gibt?

Sei selbst Dein bester Freund und akzeptiere Deine Erkrankungen als Teil Deiner selbst!

Gibt es etwas, dass Du auch noch erzählen möchtest?

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